KontaktTickets
SpielplanBühnensanierungPresseÜber uns

Oper von Viktor Ullmann

DER STURZ DES ANTICHRIST

Samstag, 25.10.2014 | 19:00 Uhr · Grosser Saal

16.30 Uhr Einführung durch Marcus Gerhardts (Ullmann-Archiv), Grundsteinsaal

Op. 9, "Bühnenweihefestspiel" in 3 Akten, nach der "Dramatischen Skizze" von Albert Steffen. Schweizer Erstaufführung. Gastspiel des Mährischen Theater Olomouc (CZ). Miloslav Oswald, musikalische Leitung; Jan Antonín Pitínský, Regie; Zuzana und Tomáš Rusínovi, Ausstattung.

Zuzana & Tomáš Rusínovi, Bühnenentwürfe des Sturz des Antichrist, 2014, Mährisches Theater Olomouc.

Viktor Ullmann (1898–1944) war in erster Linie Komponist, aber auch Pianist, Dirigent, Kritiker sowie als Pädagoge und Dichter tätig. Gelernt hat er u.a. bei Arnold Schönberg und Alois Hába, war in den 20er Jahren unter Alexander von Zemlinsky als Korrepetitor, Chorleiter und Dirigent am Deutschen Nationaltheater in Prag und danach leitend am Stadttheater (Oper) in Aussig (heute: Ústí nad Labem) tätig. Es folgte eine „Zeit der Ungewissheit“, begleitet von einem Engagement als musikalischer Leiter am Schauspielhaus Zürich, die mündete im Kauf der anthroposophischen Buchhandlung in Stuttgart infolge der Mitgliedschaft der Anthroposophischen Gesellschaft. Das Unternehmen misslang, ausserdem war nach 1933 das Leben von Juden schon stark eingeschränkt, was Ullmann (inzwischen mit Familie) veranlasste, fluchtartig nach Prag zurückzukehren.
Freischaffend nahm Ullmann sein Musikerdasein wieder auf: Als umfangreichstes Werk entstand alsbald die Oper „Der Sturz des Antichrist“ nach der „Dramatischen Skizze“ von Albert Steffen. Eine Reihe von (u.a. gesundheitlichen, familiären) Krisen waren zu bewältigen, er suchte seinen Weg in fernöstliche Meditationstechniken und in einer Freimaurerloge. Als durch die deutsche Besatzung Prags 1939 für ihn äusserlich kein Ausweg mehr bestand (dreifach verfolgt: als Jude, Anthroposoph, „Entarteter“ Komponist), stand er innerlich auf sicherem Boden der Anthroposophie. Das half ihm ganz wesentlich bei seinen letzten Zwangsreisen ins Konzentrationslager Theresienstadt, wo er noch einmal eine schier unglaubliche Schaffenskraft entwickelte (ein Drittel seines Oeuvres, u.a. die Kammeroper „Der Kaiser von Atlantis oder Die Todverweigerung“ entstanden), und im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wo er in der Gaskammer ermordet wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg tendierte Ullmanns Bekanntheit gegen Null. Erst seit den 70er, verstärkt in den 90er Jahren rückt er wieder ins öffentliche Bewusstsein. So wurde die Oper „Der Sturz des Antichrist“ erst über 60 Jahre nach der Entstehung uraufgeführt (7.1.1995 in Bielefeld, DE), und kommt nun, nach einer zweiten Inszenierung (19.1.2007 in Hof, DE) zu ihrer dritten Realisierung in Olomouc, CZ, am 18.10.2014, dem genau 70. Todestag des Komponisten, und eine Woche später zur Schweizer Erstaufführung am 25.Oktober am Goetheanum, mit einer Einführung um 16.30 Uhr durch Marcus Gerhardts.

Flyer zum Download

Victor Ullmann 1939
Tomáš Rusín, Bühnenentwürfe des Sturz des Antichrist, 2014, Mährisches Theater Olomouc.