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Jubiläumskonzert 50 Jahre Orchester Dornach

Sonntag, 09.11.2014 | 16:30 Uhr · Grosser Saal

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b­Moll
op. 23 (1874/75)
Allegro non troppo e molto maestoso ­
Allegro con spirito | Andante semplice ­ Prestissimo ­ Tempo I
Finale: Allegro con fuoco

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 3 Es­Dur op. 55 „Eroica“ (1805)
Allegro con brio | Adagio assai (Trauermarsch)
Scherzo | Finale Allegro molto

Solist: Andriy Dragan/Basel
Jonathan Brett Harrison, musikalische Leitung

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840 ­ 1893)

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b­Moll  op. 23 (1874/75)

Von den drei Klavierkonzerten Tschaikowskys hat sich nur das erste im Repertoire erhalten: Ein virtuoses Paradestück, das seinesgleichen sucht. Es besitzt noch eine musikantische Ursprünglichkeit und Frische, wie sie der mit sich und der Welt immer mehr zerfallende Komponist von Jahr zu Jahr immer mehr verlor. Es ist frei von Sentimentalität, von falschem Pathos, und wenn es sich in seinen rauschenden Akkordpassagen ein wenig wie „Liszt“ gebärdet, so trägt es doch viele für Tschaikowsky so charakteristische Züge,  wie das Miteinander von russischem Volkslied und „westlichen“ Impressionen.

Der erste Satz beginnt (Andante non troppo e molto maestoso) mit einem Fortissimo­Motiv des Orchesters, das auf das Hauptthema hinweist und in das der Solist nach wenigen Takten mit kraftvollen Akkordpassagen einfällt. Das Haupthema des Satzes (Allegro con spirito) soll auf den Gesang eines blinden Bettlers, den Tschaikowsky auf dem Jahrmarkt in Kamenka (Ukraine) gehört hat, zurückgehen. Im dramatisch gesteigerten Wechselspiel von Klavier und Orchester voller blitzschneller Wendungen und geistreicher Erwiderungen offenbaren sich Einflüsse von Robert Schumann und Franz Liszt.

Im zweiten Satz (Andante semplice) verschmilzt Tschaikowsky einen langsamen, pastoralen Liedsatz ­ die Vorlage liefert nach französischer Manier eine „Berceuse“, ein Wiegenlied ­ mit einem eingeschobenen scherzoartigen Teil (Prestissimo), dem das kecke Chanson „Il faut s’amuser, danser et rire“ zu Grunde liegt.

Das grandiose Finale (Allegro con fuoco) wird von kraftvollen Rhythmen und virtuosen Passagen des Soloinstruments beherrscht. Das rhythmisch recht eigenwillige Thema, das in der Form eines Rondos immer wieder aufscheint, prägt sich sofort ein. „Komm heraus, Iwanka, sing uns ein Lied!“ so begrüsst man in der Ukraine den Frühling.

Das Konzert wurde am 25. Oktober 1875 von Hans von Bülow ­ dem deutschen Pianisten und Dirigenten, dessen persönliches Schicksal eng mit dem Richard Wagners verknüpft ist ­ erstmals in Boston der Öffentlichkeit vorgestellt. Schon bald wurde es ­ trotz seiner immensen Schwierigkeiten ­ zu einem der populärsten Konzerte der romantischen Klavierliteratur.

 

Ludwig van Beethoven (1770 ­ 1827)

Sinfonie Nr. 3 Es­Dur  op. 55 „Eroica“  (1805)

„Sinfonia eroica, composta per festeggiare il sovvenire di un grand’uomo“. Dieses Motto hat Beethoven seiner 3. Sinfonie selber voran gestellt. Die Originalpartitur trägt allerdings noch Radierspuren: denn ursprünglich wollte Beethoven das Werk Napoleon widmen. Für ihn verkörperte dieser die Ideale der Freiheit, der Gleichheit und Brüderlichkeit. Als Beethoven jedoch vernahm, Napoleon habe sich zum Kaiser krönen lassen, radierte der enttäuschte Komponist die ursprüngliche Widmung aus und ersetzte sie durch die oben zitierten Worte.

Zwei Fortissimo­Schläge ­ reines Es­Dur ­ eröffnen den 1. Satz. Dass das unmittelbar anschliessende ­ von den Celli vorgetragene ­ Hauptthema, das in den ersten Takten identisch ist mit dem Vorspiel zum Singspiel „Bastien und Bastienne“ des 12­jährigen Mozart, mag ein Zufall sein. Ein zweites Thema ­ von Oboen, Klarinetten, Flöten und

Violinen in seine Bestandteile aufgesplittert ­ gewinnt an Bedeutung. Mit einem elegischen Thema in e­Moll wird von Beethoven die herkömmliche Form vollends gesprengt. Die Hörner leiten über zur Reprise, die wiederum vom Hauptthema beherrscht wird.

Gegen alle Regeln ist der langsame Satz kein friedvolles Andante, sondern ein Trauermarsch in der Schicksalstonart c­Moll. Er beginnt im Pianissimo ­ ein Leichenzug, der sich aus der Ferne ankündigt. Das strenge Marschthema wird von zarten, tröstlichen Streicherklängen abgelöst, die sich aber nicht lange behaupten können. Mit einer Wendung nach C­Dur wird der eigentliche Höhepunkt erreicht. Dann kehrt die Anfangsstimmung zurück: Der Trauerzug entschwindet in der Ferne, die Themen erscheinen noch einmal, zerkleinert wie vom Wind zerfetzt, sich im Nichts verlierend.

Klar, dass auf diesen Trauermarsch kein verspieltes Menuett folgen kann. Beginnend mit geisterhaft vorbeihuschenden Streicherrhythmen entwickelt sich das Thema des Scherzos bis es nach 90 Takten vom ganzen Orchester kraftvoll aufgenommen wird. Blechbläser leiten das Trio ein: drei Hörner scheinen eine Jagdszene zu schildern. Das Scherzo wird wörtlich wiederholt und der Satz schliesst mit einer kurz gehaltenen Coda.

Der Schlusssatz bringt riesenhafte Variationen über ein Thema, das Beethoven schon verschiedentlich verwendet hatte; so z.B. auch in seinem Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“. Das entsprach sicher einer programmatischen Absicht, denn Prometheus brachte den Menschen nicht nur das Feuer, sondern auch die Erkenntnis. Der Theaterzettel des Balletts, der erhalten ist, schildert den Titanen „als einen erhabenen Geist, der die Menschen seiner Zeit in einem Zustand der Unwissenheit antraf, sie durch Wissenschaften und Kunst verfeinerte und ihnen Sitten beibrachte.“

Die „Eroica“ erklang erstmals im Palais des Fürsten Lobkowitz, bevor sie am 7. April 1805 im Theater an der Wien zur öffentlichen Uraufführung gelangte.

Das Programm

Der Dirigent Jonathan Brett Harrison

Jonathan Brett Harrison, der das Orchester Dornach seit über zwanzig Jahren dirigiert, wurde in Cambridge, England, geboren. Als Fünfjähriger erhielt er Klavierunterricht, mit acht Jahren gewann er einen Platz als Chorknabe in der Kathedrale von Ely, ab dreizehn lernte er Violine und Bratsche. Nach Studien an der Guildhall School of Music and Drama in London erlangte er das Konzertdiplom als Bratschist. Von 1975 bis 1995 war er Mitglied des Zürcher Kammerorchesters. Als freischaffender Dirigent leitet er seit Jahren mehrere Amateur­ und Jugendorchester, so das Philharmonische Orchester Basel, das Zuger Stadtorchester, das Jugendorchester Knonaueramt sowie das Schülerorchester der Musikschule der Stadt Zug. Seit 1990 dirigiert er die zwei Orchester von «Astona International», einer Sommermusikakademie für musikalisch hochbegabte Jugendliche. Er war Gastdirigent beim Zürcher Kammerorchester und ist ­ ebenfalls als Gastdirigent ­ in Tschechien, in der Slowakei, in Italien, Mexiko und Deutschland tätig.

Der Solist Andriy Dragan

Noch ist der gerade 28 Jahre alte Pianist Andriy Dragan ein Geheimtipp. In seiner Wahlheimat Schweiz mit dem Credit Suisse Jeunes Solistes 2009 oder dem 1. Preis und dem Prix Collard der Kiefer­Hablitzel Stiftung 2013 ausgezeichnet, folgen nun kurz nach Abschluss seines Studiums an der Musikakademie Basel internationale Engagements als Solist und Kammermusiker: Debut beim Lucerne Festival 2009, Verbier Festival Akademie 2013 oder „artiste en residence 2013“ beim Festival La Roque d’Anthero

Geboren in eine ukrainische Musikerfamilie, studiert Andriy Dragan zunächst in seiner Heimatstadt Lviv bei Prof. Lidia Krych, später an der Musikakademie Basel bei Prof. Adrian Oetiker. Wichtige künstlerische Impulse geben zusätzlich Meisterkurse bei Zoltán Kocsis, Piotr Anderszewski, Elisabeth Leonskaja, Dmitri Bashkirov, Ferenc Rados, Klaus Hellwig und Alfred Brendel.

Eine enge Zusammenarbeit verbindet Andriy Dargan mit François Benda, Katharina Gohl, Alexandru Gavrilovici, Lech Antonio Uszynski, Kian Soltani, Gemeaux­Quartett und Astrig Siranossian. Im Jahr 2013 hat er in einer Duo­Besetzung mit der Cellistin Astrig Siranossian beim Basler Duo­Wettbewerb den 1. Preis erhalten, 2011 gemeinsam mit dem Bratschisten Lech Antonio Uszynski den Orpheus Kammermusik Wettbewerb in Genf.

Sein jüngstes Kammermusikprojekt ist das Lemberg Klavierquartett gemeinsam mit Chouchane Siranossian, Lech Antonio Uszynski und Astrig Siranossian.

Andriy Dragan ist Gast bei diversen Festivals wie dem Verbier Festival, La Roque d’Antheron, Menuhinfestival Gstaad, «Les Muséiques» in Basel, Davos Festival, Musiksommer am Zürichsee oder dem Annecy Classic Festival und in Konzerthäusern wie dem Stadtcasino Basel, Tonhalle St. Gallen, KKL Luzern oder der Tonhalle Zürich.

www.andriydragan.com

Das Orchester

Die Mitglieder des seit 1964 bestehenden Amateurorchesters sind Einwohner von Dornach, die zum Teil die hiesige Musikschule besucht haben, und Musikbegeisterte aus der ganzen Region Nordwestschweiz. Für die letzten Proben und die Konzerte werden jeweils hervorragende Amateure sowie Musikstudenten und Berufsmusiker, vor allem Bläser, engagiert. Konzertmeisterin ist Karin Rotta, die diesmal durch Oscar Garcia vertreten wird. Das Orchester konzertierte mit namhaften Solistinnen und Solisten.