Alles beginnt woanders
Ein Programm für Musik, Sprache und Eurythmie.
Nach Texten von Werner Lutz und Musik von Kaija Saariaho.
Mitwirkende
Bettina Maria Bauer: Cello
Barbara Stuten: Sprache
Riho Peter-Iwamatsu: Eurythmie & Programm-Verantwortung
Carina Schmid: Künstlerische Beratung
Ilja van der Linden: Licht & Bühnenbild
Vorverkauf:
Goetheanum Empfang/Tickets
Tel.: +41 61 706 44 44
Di-Sa 14:00-18:00 Uhr
tickets@goetheanum.org
Bider & Tanner Ticketing
Ihr Kulturhaus mit Musik Wyler
Tel.: +41 61 206 99 96
ticket@biderundtanner.ch
Nachbesprechung der Premiere
BEGINN Im Kleinen das Große
von Sebastian Jüngel, Wochenschrift "Das Goetheanum"
Alles beginnt woanders,
Riho Peter-Iwamatsu, 25. Februar (Premiere), Goetheanum
In fein nuancierten Pastelltönen malt Ilja van der Linden zarte Lichtatmosphären in den Bühnenraum, die Cellistin sitzt auf der Bühne auf einem kleinen weißen Podest, die Sprecherin ist mal Teil des Bühnengeschehens, mal rechts oder links am Bühnenrand an kleinen, pultartigen Säulen, und quer über die Bühne spannen sich zwei breite weiße Stoffbahnen bis fast nach vorn zum Bühnenrand. Alles ist ein bisschen anders als gewohnt. Alles? Alles! Auch der Schleier von Riho Peter-Iwamatsu. Er wächst aus der ‹Schleppe› des jadegrünen Eurythmiekleides und ist an den Händen befestigt. Dadurch werden die Hände in ihrem Ausdruck besonders betont, und es lastet, leider, auf vielen Bewegungen optische Schwere. Doch nicht notwendigerweise und angesichts der Inhalte zum Teil auch passenderweise, wie die weitere Entfaltung des Programms zeigt. In ihm erwächst aus dem Alltagsumfeld das Besondere: das Erschließen der eigenen inneren Persönlichkeit. Die Texte von Werner Lutz (Jahrgang 1930) sind dafür treffend gewählt und für mich eine Neuentdeckung: Im Kleinen steckt das Große; im Kleinen kündigt sich das Große an. Es gibt auf dem Weg der Selbstfindung «Krüge, mit Zuversicht gefüllt», es «zerkrümelt die Langeweile in meinen Fingern», es geht durch Schmerz («Ich bin ein Lachen ohne Seele») hin zu einem «Wissen, wie Schatten entstehen». Allein, den 26 Gedichten und Texten (plus einem Gedicht von Kurt Peter, das dem Programm seinen Namen gibt) mit gleichbleibender Aufmerksamkeit zu folgen, fällt mir mit der Zeit schwer: Denn die einfache Sprache ist voller schöner Bilder, die ein Verweilen wünschenwert machen. Dieses gibt es im Prinzip auch. Denn Peter-Iwamatsu lässt die Gedichte mal nur sprechen, mal geht sie zum Sprechen in Stellungen und Gebärden, dann gestaltet sie die Texte eurythmisch aus und zeigt ein breites Spektrum an Bewegungsqualitäten: von eher verhalten über ganz leicht bis zu einer durch den ganzen Körper wallenden Geschmeidigkeit. Doch in diese verschiedenen Gestaltungsmomente wird eben immer wieder neuer Text gegossen. Dennoch hat Riho Peter-Iwamatsu ein Kleinod geschaffen. Es wird von der Musik Kaija Saariahos gegliedert. Die modernen Klänge ergreift die Cellistin souverän, Peter-Iwamatsu greift ihre Stimmungen differenziert auf und steigert sie, melodiös-fließend, im letzten Stück ‹Spins and Spells›. Wie bei einer Meditation sind weitere Aufführungen nötig, um die vielen enthaltenen Motive erfassen zu können. Immerhin: eine weitere ist angekündigt.
Eurythmie, Programmverantwortung: Riho Peter-Iwamatsu. Sprache: Barbara Stuten. Musik: Bettina Maria Bauer (Cello). Bühne und Licht: Ilja van der Linden. Künstlerische Beratung: Carina Schmid.



