Blaue Stunde
Ja, es wurde spät, der Sommertag war zu Ende.
Dies ist die Stunde, da Fluß und Himmel erblassen, während ein Hauch aus silbrigen Höhen die Büsche und das Laub erschauern läßt. Wenn die Klage der Abendglocke verstummt ist, dann senkt sich übers Land die stillste Stunde – l‘heure ex- quise, l‘heure bleue – die Stunde der Ahnungen und Zärtlichkeiten.
Alles steht regungslos, der Flieder im Park, der Wacholderbaum; sogar der Brunnen schweigt. Der Augenblick des Intervalls zwischen Tag und Abend bannt die Natur in einen Frieden, den selbst die tiefste Mitternacht nicht kennt.
Klaus Mann
Geschichten aus Masuren
Do 22.04.2010 21:00 Uhr Südbühne
Do 29.04.2010 21:00 Uhr Südbühne
Urs von Glenck, Dagmar Horstmann (Erzählung und Figurenspiel), André Müller, Musik
Die Suche nach dem Stoff: Lektüre über Lektüre - doch was passt zu den skurrilen Gestalten, die im Figuren-Schrank zu Hause sind? Wie findet sich ein Spielstoff? Begleiten Sie uns mutig in dieser geheimnisvollen Blaue Stunde durch das Labyrinth von Geschichten über Geschichten...
Eine Produktion des Marionettentheaters Dagmar Horstmann
"In darkness let me dwell"
Do 06.05.2010, 21:00 Uhr, Südbühne
Ein Abend mit Liedern von John Dowland. Mit Daniel Thiel, Gesang und Eon Louw, Laute
Für einen Komponisten und Musiker seiner Epoche ist John Dowlands Leben recht gut dokumentiert, auch wenn kein Porträt oder anderes Bild von ihm überliefert ist. Trotzdem bleibt er letztlich eine rätselhafte Persönlichkeit voller Widersprüche. Seine Herkunft und die frühen Lebensjahre liegen im Dunkeln; sein offenes Bekenntnis zum Katholizismus im protestantischen England Elisabeths I. hat seiner Karriere wohl geschadet; er war der berühmteste Lautenist und Liederkomponist seines Heimatlands, verbrachte aber viele Jahre im Ausland (in Frankreich, Deutschland, Italien und Dänemark) und erhielt erst mit fast 50 Jahren eine Anstellung am englischen Hof, wo er die letzten 14 Jahre seines Lebens einer von fünf Lautenisten war; nach dem Tod seiner beiden Enkel Ende des 17. Jahrhunderts gibt es keine weiteren Spuren seiner Familie. Seine Musik war über 300 Jahre vergessen.
Aus Berichten und Kommentaren seiner Freunde und Zeitgenossen entsteht das Bild eines schwierigen Menschen, der sich selbst im Wege stand. Er verfügte nicht über die Umsicht und das diplomatische Geschick, die für eine erfolgreiche Karriere in seinem Beruf nötig waren, und reagierte mitunter unbesonnen. Als Lautenvirtuose wurde er ebenso gefeiert wie als Komponist einiger der populärsten Lieder seiner Zeit, und umso mehr bedrückte ihn offenbar schließlich sein vergleichsweise geringer Erfolg in England. Im Alter stand er neuen musikalischen Entwicklungen und jüngeren Musikern höchst kritisch gegenüber.
Die Texte von Dowlands Liedern sind nicht immer einfach zu verstehen, und zwar nicht nur aufgrund der »altmodischen« Sprache. In zeittypischer Art sind sie oft sehr konzentriert und dicht strukturiert, mit überraschenden, ausgefallenen Bildern und einer subtilen Gedankenfolge, in der meist die Notlage eines verzweifelten Liebhabers beschrieben wird. Geistreicher Witz ist gefordert, und die Argumente des Liebhabers werden mit allen Mitteln der Überredungskunst vorgetragen. Die Texte und die Musik lassen Dowland leicht als Opfer der Melancholie erscheinen, der Modekrankheit von Höflingen und Literaten jener Zeit. Ein Blick auf die Titel einiger seiner Werke zeigt, dass er diesen Eindruck offenbar durchaus fördern wollte: In darkness let me dwell (Lass mich im Dunkel weilen), Lachrimae (Tränen), Forlorn Hope Fancy (Fantasie »Die verzweifelte Hoffnung«) - und Dowlands bekanntestes Werk war eine Pavane (ursprünglich ein gravitätischer Schreittanz) für Laute mit dem Titel Lachrimae.
Jenseits der Haut
Do 10.06.2010 21:00 Uhr
Geotheanum-Südbühne
Gedichte von Dorothee Deimann - Lesung, Eurythmie und Musik.
Mit Angelina Gazquez, Sprache
Eduardo Torres, Eurythmie;
Olaf Marggraf, Klavier
Dorothée Deimann:
1950 im Ruhrgebiet geboren; Studium der Pädagogik und Psychologie; Leitende Tätigkeit in der sozial-therapeutischen Arbeit mit jungen Erwachsenen; Mitbegründerin alternativer; Einrichtungen für Psychiatrische Nachsorge; Arbeit in der Heilpädagogik in der Schweiz; Galeristische und kuratorische Arbeit in Basel/ Berlin; Journalistische Arbeit mit Texten zur Gegenwartskunst; Aufenthalt in Südfrankreich; erste Veröffentlichungen eigener Gedichte und Kurzgeschichten
2004: Uraufführung des Einpersonenstückes "Die Schönheitin" aus ihrem gleichnamigen Buch in Dornach/Schweiz
2006: Eröffnung des KunstRaumRhein (KRR) in Basel; Lesungen und Tätigkeit als Sprecherin für Dokumentarfilme
Lebt und arbeitet in Basel
Publikationen und Bücher:
Die Kieselfahne, Stuttgart 1993
Ans Licht geholt, Düsseldorf 1995
Bilanz der Bilder, Frankfurt 2001
Geschwärzter Engel, Frankfurt 2002
Die Schönheitin, 2004
Auf den Schwingen des Fisches, 2007
Jenseits der Haut, 2010





