„Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen
„Das Beste und Folgenreichste, was Ibsen uns gegeben hat, ist: die Anregung zur Wahrheit, in einer künstlerisch verlogenen Zeit; die Anregung zum Ernst, in einer künstlerisch flachen Zeit; die Lust zur Bewegung, in einer Zeit des Stagnierens; und den Mut, nach jedem begehrten Stoff zu greifen, der Menschliches enthält, gleichviel, woher er stammt.“
Alfred Kerr
Der „Volksfeind“ (1882) von Henrik Ibsen hat auch heute noch eine hohe Aktualität. Themen wie Umweltschutz, Manipulation der Medien, Zivilcourage und das fragwürdige Recht der Majorität werden täglich in den Medien diskutiert. Es sind die grossen Themen, denen sich Ibsen gestellt hat, und er war selber ungewiss, ob er das Stück ein Schauspiel oder ein Lustspiel nennen sollte.
In den Mittelpunkt der Handlung stellt Ibsen den Kurarzt Doktor Stockmann, der herausgefunden hat, dass das Wasser seines Bades gesundheitsschädigend ist. Dass verseuchtes Wasser ein grosses gesundheitliches Risiko bedeutet, ist uns allen klar. Viele Bewohner aus der Region werden den Fall mit der Deponie Roemisloch in Neuwiller noch frisch im Gedächtnis haben.
Stockmann will seine Entdeckung sofort veröffentlichen und erwartet, dass sie von allen Bewohnern des Badeortes begeistert aufgenommen wird und die Behörden zur Beseitigung des Missstandes bewegt.
Natürlich kommt alles ganz anders, als unser Idealist denkt. Der Amtsrat, Stockmanns Bruder, setzt mit routinierter Demagogie und energischer Machtausübung seine eigene Version der Wahrheit durch. Nach und nach schliessen sich die Reihen der Bürger zu einer geschlossenen Mehrheit, die schliesslich den Arzt in einer Versammlung zum Volksfeind erklärt.
Ibsens Suche nach einer Erneuerung unserer sozialen Situation wird von dem Badeartzt Dr. Stockmann verkörpert. Stockmann beschliesst am Ende vom Stück in der feindlichen Stadt zu bleiben und sich für die Erziehung der Einwohner der Stadt zu frei denkenden Menschen aufzuopfern.


