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Minna von Barnhelm

oder über den Wert und Unwert des öffentlichen Ansehens

Auf überraschende Weise steht in Lessings Lustspiel von 1763 ein aktuelles und allgegenwärtiges Lebensphänomen im Mittelpunkt: die Arbeitslosigkeit! Alle Spannungen und Probleme zwischen Major von Tellheim und Minna lassen sich auf seine Unfähigkeit, die Entlassung aus der Armee und den damit verbundenen Einkommens- und Ansehensverlust seelisch zu verarbeiten, zurückführen. Welche Rolle darf, ja muss die Integration in das öffenltiche Leben für private Verhältnisse spielen? Mehr als naiver Idealismus zugeben würde, ruht das Selbstwertgefühl auch auf der öffentlichen Anerkennung. In der Öffentlichkeit aber herrschen die Gespenster der Meinung, des Vorurteils, der überkommenen Sitten und Normen. Gibt es auch für das Allgemein-Menschliche eine echte Öffentlichkeit? Oder muss dies in der Sphäre des privaten Lebens verharren?

In Lessings "Minna" stehen solche Fragen im Hintergrund. Sie werden nicht dramatisch behandelt, sind für die Handlung aber Voraussetzung. Für die Goetheanum-Bühne sind sie ein Herzensanliegen, ist doch die Anthroposophische Gesellschaft ein "Grossversuch des Allgemein-Menschlichen" (R. Steiner)!