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Aischylos’ Orestie

Die Globalisierung führt heute auch zu einer Revision als unverrückbar angesehener Errungenschaften. Darf man wirklich nicht foltern? Ist der gnadenlose Terrorist mit gleichen Rechtsmitteln zu behandeln wie ein „gewöhnlicher“ Verbrecher? Ist in der Dritten Welt die Sklaverei nicht schon längst wieder eingeführt?

In der Orestie wurde zum ersten Mal die Frage nach menschlicher Gerechtigkeit thematisiert. Dass Recht vor Rache geht, diese Grundlage moderner Rechtsprechung kann man auf sie zurückführen. Aber was ist der Mensch? Ein Spielball göttlicher, d. h. notwendig wirkender Kräfte? Eine Marionette der Gene? Oder das autonome Subjekt selbst geschaffener Freiheit, auch dann, wenn wir durch sie uns ganz aus dem Kosmos, aus dem wir stammen, herauslösen? Für Goethe war die Orestie das „ Kunstwerk der Kunstwerke“, in welchem Aischylos seine bisweilen verstörende Antwort auf diese Fragen gab.

In Zeiten des Umbruchs ist eine Besinnung auf das eigentlich Menschliche notwendig. Die Orestie eignet sich hierfür wie wenige andere Dramen der Weltliteratur.