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Pressereaktionen

aus der Rezension in a tempo, Kulturtipp
Tief bis ins Innerste berührt verharrte das Publikum schweigend nach den letzten Noten bei der Premiere, bevor ein langanhaltender Applaus einsetzte. Es ist deutlich: in dieser Produktion erfährt die Eurythmie eine Verdichtung, eine neue künstlerische Qualität und Aussage, die viele Zuschauer erreichen wird.

0, Ton!
Die Goetheanum-Bühne im Theater am Aegi
VON KERSTIN HERGT

Hunderte Menschen verharren reglos in der Dunkelheit. Das Licht auf der Bühne ist erloschen. Ist der letzte Ton verklungen; oder hallt das Cello immer noch nach? Angestrengtes Lauschen. Plötzlich ertönt ein surrendes Geräusch: Der Vorhang fällt. Doch immer noch gehen die Lampen im Saal des Theaters am Aegi nicht an. Kein Beifall durch-
bricht die Stille. Nach schier endlosen Sekunden traut sich jemand zu .applaudieren. Die anderen Besucher fallen ein. Als die Bühne wieder erhellt wird und sich die Musiker, Tänzer und Sänger der Schweizer Goetheanum-Bühne verbeugen, werden Bravorufe laut - und einige Zuschauer eilen hastig gen Ausgang, kopfschüttelnd, stirnrunzelnd.
Die Vorstellung des Domacher Orchesters und Eurythmie-Ensembles, das sich, passend zur Fastenzeit, der ;,Sieben Worte Jesu Christi am Kreuz" in der Fassung von Heinrich Schütz (1585 bis 1672) sowie in der 1982 entstandenen Version der russischen Komponistin Sofia Gubaidulina angenommen hat, hat das hannoversche Publikum klar gespalten: Auf der einen Seite herrschte absolute Begeisterung, auf qer anderen herbe Enttäuschung. Zur letzteren Fraktion dürften vor allem die Schütz-Anhänger zählen. Dessen Werkinterpretation durch Chor, Orchester und Bewegungskünstler stand am Anfang, geriet jedoch im Gegensatz zu der mit mehr Pathos durchsetzten Version von Gubaidulina eher verhalten.
Zur Musik der russischen Komponistin für Cello (Vladimir Thonkha) , Bajan-Akkordeon (Friedrich Lips) und Streicher holte vor allem das Eurythmie-Ensemble unter der Regie von Carina Schmid und Elsemarie ten Brink mehr aus sich heraus. Den fast meditativen Klängen von Schütz ordneten sie fließende; sparsame Bewegungen zu, agierten feengleich hinter einem Gazevorhang. Dagegen nahmen sie zur Musik von Gubaidulina die Bühne raumgreifend für sich ein, verkörperten das flirrende Cello, die summenden  treichinstrumente und das aufheulende Bajan mit ausgefeilten Schritten, Gesten und syrnbolhaften Formationen. Tonangebend bei den "Sieben Worten" war damit eindeutig die Eurythmie. Eine bewegende Vorstellung.