KontaktTickets
AktuellÜber unsArchivFreundePresseGalerie

Zur Inszenierung

Sofia Gubaidulina knüpft in ihren Sieben Worten an das Werk von Heinrich Schütz an. Dreimal zitiert sie die Melodie zum Ausruf  Mich dürstet. Für uns war dies Anlass, die beiden Werke in einem Programm zusammen zu fassen.

Die inneren Räume, die Schütz entstehen lässt, haben uns inspiriert, stille Formkompositionen zu entwickeln, deren Inhalt die sieben Worte selber sind. Diese Kompositionen sind sieben Stufen, die jeweils als Nachklang des gesungenen Wortes erscheinen. Sie folgen dem zeitlichen Prozess der Kreuzigung wie eine Weltenuhr, vom Anfang, der dritten Stunde, über die sechste bis zur neunten Stunde - der Todesstunde. So wird die Zeit zur Raumbewegung.
Betrachte sie in deinem Herzen - diese Geste möge durch die Eurythmie verstärkt den Zuschauer erreichen!

Das Werk von Sofia Gubaidulina baut gleichermassen auf diesen sieben Stufen auf.
Hier aber werden wir Zeugen von etwas Neuem, zuvor noch nie Komponiertem: Wir können hineinlauschen und erleben ein Gespräch der Trinität unter sich:
Das Cello spricht als Ausdruck des Sohnes, das Bajan als die Vaterwelt und das Orchester übernimmt die Stimme der Evangelisten, durch die mit zunehmender Kraft der heilige Geist tönt.
Zu dieser geistdramatischen Ausdruckskraft der sieben Worte am Kreuz galt es entsprechende Bewegungsformen und Gebärden zu finden.

Sofia Gubaidulinas Einfachheit in der Wahl ihrer mathematischen Tonskalen, gaben uns Rätsel auf, die es zu lösen galt:
Das bis in die Notierung der Partitur immer wieder mal deutlicher, mal verborgen - erscheinende Kreuz Motiv, das durch alle Instrumente klingt sichtbar werden zu lassen, ohne in Symbolismus zu fallen....

Die Orchesterstimme, die zu Beginn wie tröstend von Ferne klingt, dann sich immer stärker in das dramatische Gespräch einbringt bis sie zum Ende fast vollkommen mit dem Cello und dem Bajan verschmilzt...
Bei dieser Gestaltung neuer Klangräume und neuer instrumentaler Klangqualitäten, sind wir immer wieder an unsere Grenzen gestossen.
Noch nie erlebten wir Mut und Demut so nah beieinander: Bei grösster Ausdruckskraft das Allzueigene zurückzunehmen. Nur wo dies gelingt, werden wir den Werken und deren Substanz gerecht.

Erlösend war in diesem Sinne ein Ausspruch, den Friedrich Lips während unserer Proben brachte:
Verlasse nie die Grenzen deiner Kunst. Und wenn sie dir zu eng erscheinen, erweitere sie ..... aber gehe nicht über die Grenzen hinaus.

An dieser Stelle geht unser Dank an, Vladimir Tonkha und Friedrich Lips, den Widmungsträgern des Stückes, mit denen wir diese Aufführungen bestreiten. Sie haben uns während der Proben immer wieder wertvolle Anregungen zur Interpretation der Sätze gegeben und ganz andersartige Ausführungaspekte in die Arbeit eingebracht.
Vor allem aber ein tiefen Dank an Sofia Gubaidulina, die wir alle sehr lieben für dieses Werk, welches unsere Zeit weit überdauern wird.